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Corona: das Ende des „Entweder-oder-Denkens“ (Teil 2 – Hybrides Arbeiten)

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Wie im ersten Teil dargestellt, treibt verloren gegangene Sicherheit uns Menschen in Richtung der Extreme wie Entweder-oder, Schwarz-oder-Weiß, Ganz-oder-Gar-nicht.

Ich meine, dass uns das jedoch wenig nützt und wir ein Denken im Sowohl-als-auch benötigen. Damit meine ich das Aushalten vermeintlicher und tatsächlicher Paradoxien und Widersprüche, das permanente Abwägen, sich etwas Trauen und Ausprobieren mit allen Chancen und Risiken - so ein Leben im Spannungsfeld bringt uns voran und hilft uns, die Coronakrise zu überwinden.

Was bedeutete das konkret in unserem Arbeitsumfeld? Wie nahezu alle Branchen mussten wir uns seit dem Frühjahr 2020 mit dem Infektionsgeschehen in vielerlei Hinsicht auseinandersetzen. Ein Spannungsfeld war: Wie kann es gelingen, einerseits an unseren Klient*innen dran zu bleiben und gleichzeitig sich selbst und unsere Betreuten vor Infektionen zu schützen? Eine Antwort war hybrides Arbeiten. Hybride Motoren waren mir nur aus der Autoindustrie ein Begriff. Seit 2020 sind Begriffe wie hybrider Unterricht oder hybrides Arbeiten Schlagworte geworden, die sicherlich Einzug in unsere Duden finden werden.

Gemeint ist die in der Breite angelangte Entkopplung der Arbeit von festen Zeiten und Orten, die durchgehende Nutzung digitaler Tools zur Kommunikation und für die

Kooperation im Team, die Kombination von Präsenz- und Remote-Zusammenarbeit und – damit eng verbunden - eine beschleunigte und mit steigender Dringlichkeit vollzogene Veränderung der Unternehmenskultur und damit das Miteinander im Team. Allein diese kurze Draufsicht macht deutlich, in welchen Bereichen dieser Wandel Spannungsfelder erzeugt: analog - digital, Nähe – Distanz, Flexibilität – Stabilität, Rationalität – Emotionalität, Handlungsschnelligkeit – Reflexion, Vertrauen – Kontrolle, Im Jetzt verankert – für Morgen gerüstet….

Diese neue hybride Arbeitswelt verlangt von den Führungskräften eine andere Art von Präsenz und Aufmerksamkeit für das Team und die Arbeitsorganisation: Plötzlich war man als Krisenmanager*in gefragt: Hygienekonzepte, Notfall- und Vertretungspläne, Lösungen für mobiles Arbeiten u. v. m.

Führungskräfte wurden zum Anker in der Krise, um das ständige Hin und Her zu managen.

Zugleich profitierten wir von den Schritten der Digitalisierung, die wir vor Jahren bereits für die Dokumentation der Fälle, unser Projekt- und Maßnahmen- und Reklamationsmanagement, die Abwicklung der Löhne und Gehälter etc. eingeführt haben. Für mich ist es kaum vorstellbar wie es gewesen wären, wenn wir diese Dinge nicht etabliert hätten.

Videokonferenzen und Gruppenchats wurden zum neuen Standard. Selbst die größten Anhänger*innen der Präsenzkultur und Skeptiker*innen der Digitalisierung erkannten: Wunderbar, was remote alles möglich ist!

Auch bei uns setzte nach Monaten des Abstandhaltens eine gewisse „Videokonferenz-Müdigkeit" ein. Wir sehnen uns nach echten Begegnungen frei von technischen Unterbrechungen, ohne Störung durch den eigenen Nachwuchs oder Partner*in beim Home-Schooling oder Home-Office oder der klingelnden Paket-Bot*in, die - wenn man es dann aus der Telko noch eben zur Tür geschafft hat - längst grußlos zurück in den Lieferwagen entschwunden ist. Immerhin ist die Freude um so größer, wenn das ersehnte Paket vor der Tür liegt – auch wenn es etwas verbeult wie der davonfahrende Sprinter anmutet, mit dem es zu uns kam.

Was wir in dieser Zeit der Disruption lernen: Digitalisierung beschleunigt und erleichtert vieles; aber sie ersetzt nicht alles. Technik öffnet viele Türen; dennoch steht sie erst einmal oft im Weg. Distanz ist weiterhin erforderlich; doch gute Teamarbeit lebt auch von Nähe.

Bemerkenswerterweise haben die zügig zwischen der alten und der neuen Arbeitswelt gebauten Brücken gut gehalten. Dennoch: bei aller Flexibilität brauchen tragfähige Systeme und ein gesundes Team Stabilität.

Der Schlüssel zum Bewältigen dieses Wandels liegt im sensiblen Ausbalancieren der Spannungsfelder: das Neue - das Alte, die Technik - das Menschliche, das Operative - das Strategische.

Hier sind wir lange noch nicht am Ende. Aber was mir Mut macht ist, dass wir als Team noch mehr zusammen wachsen, uns gegenseitig ermutigen und unterstützen.

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