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Projekt Paarberatung

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​Erfolgreich haben wir uns im letzten Jahr auf eine Ausschreibung des Bezirksamtes Bergedorf für ein SIN (Soziale Integrations-Netzwerke) Projekt beworben. Seit November bieten wir für geflüchtete Paare und Eltern, die in der UPW (Unterkunft mit Perspektive Wohnen) Mittlerer Landweg im Bezirk Bergedorf leben, eine Paarberatung an. Schwerpunktmäßig geht es um Beratung in Krisensituationen, bei denen häusliche Gewalt eine Rolle spielt. Das Angebot wendet sich an geflüchtete Paare oder Familien mit minderjährigen Kindern. Besonders sollen Eltern, die durch komplexe Problemlagen belastet sind, angesprochen werden.

Ziel des Angebotes ist, Familien zu befähigen, gewaltfrei miteinander leben zu können. Insbesondere soll einer durch familiäre Gewalt entstehenden Kindeswohlgefährdung entgegengewirkt werden. Die Eltern sollen mit Hilfe des Angebotes befähigt werden, bestehende, gewaltgeprägte Kommunikations- und Interaktionsmuster aufzubrechen und eine gewaltfreie Konfliktkultur zu erarbeiten.

Die Unterkunft beherbergt sehr viele Familien mit minderjährigen Kindern. Die Wohnverhältnisse sind für die Familien beengt und allein dadurch ergibt sich ein Konfliktpotenzial. In dem Quartier sind sehr breit gefächerte Unterstützungsangebote angesiedelt. Es gibt Beratungsangebote und Freizeitangebote für die unterschiedlichen Altersgruppen und Zielgruppen.

Das Jugendamt und auch andere Träger nehmen wahr, dass es immer wieder zu Gewalt zwischen Partnern kommt und eine von der Polizei oder von fördern & wohnen ausgesprochene Wegweisung erfolgt. Mit unserem Projekt wollen wir Paare unterstützen, miteinander neue Lösungen zu entwickeln. Das Angebot ist freiwillig.

Das Projekt hat eine Projektkoordinatorin, die die Anfragen entgegennimmt und Netzwerkarbeit betreibt. Eine Kollegin und ein Kollege leisten hauptsächlich vor Ort die Beratungsarbeit, wenn möglich im Tandem. Wir arbeiten grundsätzlich aufsuchend in den Familien, nutzen aber auch Räumlichkeiten vor Ort oder unsere Büroräume in Bahrenfeld. Die drei Kolleg*innen werden durch das Team unterstützt, entweder indirekt in Form von Kollegialer Beratung oder Supervision oder direkt, indem einzelne für konkrete Beratungsfälle angefragt werden.

Neben direkten Aufträgen, die durch den ASD Bergedorf an uns herangetragen werden, nehmen wir Kontakt zu den Hilfeträgern vor Ort auf und nehmen an vorhandenen Angeboten teil. So wollen wir erreichen, dass betroffene Eltern uns kennen lernen können und wir im Quartier bekannt werden. Wir erleben, dass seitens der Träger ein hoher Bedarf formuliert wird, Eltern zu Konfliktthemen auf der Paarebene zu beraten. Diese Thematik setzt ein Vertrauensverhältnis zu den Beratenden voraus. Eine weitere Herausforderung besteht auf der Sprachebene. Die Menschen, die in der UPW wohnen sind in der Regel noch nicht sehr lange dabei, Deutsch zu lernen. Gerade emotionale Themen in Beziehungen erfordern ein gemeinsames Sprachverständnis zwischen Beratenden und Ratsuchenden. Die Arbeit mit Sprachmittlern, die ebenfalls das Vertrauen der Betroffenen haben, ist hier wichtig.

Wir freuen uns sehr über diese Möglichkeit, unsere Erfahrung und unser Wissen in diesem doch sehr speziellen Bereich einsetzen zu dürfen. Die Herausforderungen sind groß und wir wünschen uns sehr, dass wir für die Paare und Eltern in der Unterkunft hilfreich sein können.

Bewohner*innenbefragung
Freie Plätze in Jugendwohnungen