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Im ersten Teil lasen Sie über die Entstehungsgeschichte unserer Betreuungsstandorte. Was sind nun Gründe für die Hilfe nach § 30 im Betreuungsstandort?

Als wir Ende 2009 an der Konzeption arbeiteten gab es u. a. folgende Gründe für diese Hilfeform, die auch heute noch Gültigkeit haben. Der junge Mensch wird von Anfang an aktiv in die Betreuung mit einbezogen und beteiligt z. B. in folgenden Bereichen:

  • Antragsstellung zur Übernahme Hilfen zum Lebensunterhalt (HzL) und Miete
  • Kennenlernen der Behördenstrukturen (z. B. Grundsicherungsamt oder Jobcenter)
  • Kontinuierliches Lernen und Kompetenzen erweitern im Umgang mit Behörden
  • Verantwortungsübernahme und gesteigerte Mitwirkung für die eigenen Belange, d.h. für uns in der Praxis, dass die Jugendlichen dazu befähigt werden, bei fortschreitender Hilfe die Bearbeitung ihrer Belange selbstständig durchzuführen und die Betreuenden zunehmend beratend zur Seite stehen

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass von Beginn an eine administrative Grundbildung des jungen Menschen aktiv befördert wird und dieser schnell feststellt, dass wenn sie/er nicht ausreichend mitwirkt, es spürbare Konsequenzen – wie beispielsweise kein Leistungserhalt – gibt.

Das ist ganz anders als bei einer (teil-)stationären Hilfe. Hier bekommt der Träger für die Jugendlichen das Geld direkt. Weder die Betreuer*innen noch die Jugendlichen müssen sich mit den Sozialleistungsträgern auseinandersetzen.

Zugegeben: so manches Mal würden wir darauf auch sehr gerne verzichten. Denn es gibt zahlreiche Hürden.

Für die Betreuung bedeutet das in der Regel einen erhöhten Zeitaufwand, da:

  • Das Ausfüllen von Anträgen durch den Jugendlichen eingeübt werden muss und fehleranfälliger ist
  • Recherchen im Internet (z. B. bei der Ausbildungsplatz- oder Wohnungssuche) durch die Jugendlichen länger dauern und ein Verstehen der Strukturen voraussetzen
  • Grundsätzliche Vorgehens- und Arbeitsweisen müssen eingeübt und verfestigt werden
  • Fehleranfälligkeit im oben genannten Sinne bedeutet auch, dass Dinge nicht unbedingt im ersten Anlauf funktionieren und mit Erfolg umgesetzt werden, dies jedoch zu einer nachhaltigeren Entwicklung führt

Und auch für den Träger ist diese Art der Betreuung nicht ohne Risiken:

  • Oftmals ist es bei Übernahme eines Falls nicht klar, ob das Grundsicherungsamt oder Jobcenter die HzL und Miete tatsächlich übernimmt
  • Der Träger geht in Vorleistung und riskiert nicht wieder rückzahlbare Schulden der Klient*innen selbst zu tragen
  • Langwierige Verfahren der Antragsstellung bei den Ämtern, vor allem Jobcenter
  • Erneutes Ausfallrisiko, wenn sich Status der Jugendlichen ändert; z. B. Übergang vom Grundsicherungsamt zum Jobcenter oder Aufnahme einer Ausbildung
  • Erheblicher Aufwand auf Seiten des Trägers interne Verfahren für die Aufnahme oder auch Beendigung dieser Hilfen zu steuern (z. B. Beantragung der Mietübernahme, Abrechnung Heiz- und Nebenkosten, Mietkautionen etc.)
  • Aufwändiges Verfahren in den Einzelbetreuungen die Rahmenbedingungen mit den Klient*innen bei den Ämtern zu klären (z. B. Antragsstellung, Mitteilung von Änderungen, Heiz- und Nebenkostenabrechnungen usw.)
  • Bei Minderjährigen teilweise zahlreiche Bemühungen von den Erziehungsberechtigten bzw. Vormund die nötigen Unterschriften für z. B. den Nutzungsvertrag, Anträge auf Grundsicherung etc. zu erhalten

Dennoch sind wir überzeugt, dass dieses Angebot deutlich effektiver und sinnvoller ist als eine stationäre Unterbringung, die komplett vom Jugendamt finanziert wird.

Lesen Sie im 3. Teil unsere fachliche Einschätzung.