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Herzlichen Glückwunsch: adelante ist volljährig!

| Tiago Sven Schatz Kuhfuss | Aktuelles
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Herzlichen Glückwunsch: adelante ist volljährig!

Tatsächlich ist adelante nun 18 Jahre alt. Ich bin sehr dankbar, dass wir in dieser Zeit über 300 Kinder, Jugendliche und ihre Eltern ein stückweit auf ihrem Lebensweg nach vorne (adelante) begleiten durften. Wie es dazu kam und alles begann möchte ich hier kurz einmal schildern.

In der Endphase meines Studiums arbeitete ich als Honorarkraft für das Jugendamt Altona und übernahm einen begleiteten Umgang für eine Mutter mit ihrem damals 6-jährigen Sohn. Meine Kontaktperson beim Jugendamt vermittelte mir weitere Honoraraufträge bei einem Träger für Hilfen zur Erziehung. Und wie das Leben so spielt: Heute, nach vielen Jahren, ist diese Person bei adelante tätig.

Nach den ersten Begegnungen mit schwierigen Familienkonstellationen und einem straffällig gewordenen Jugendlichen wurde mir klar, dass diese pädagogische Arbeit mit ihren facettenreichen Herausforderungen genau das Richtige für mich ist. Auf unserer Website beschreibe ich es wie folgt:

Was ich an der Arbeit besonders mag
„Es ist immer wieder begeisternd zu erleben, wie wir mit praktischer Unterstützung Menschen konkret helfen und mit ihnen eine hoffnungsvollere Zukunft erarbeiten dürfen.“

Vor meinem Sozialpädagogik-Studium hatte ich sowohl als Berater und Trainer im Bereich Kommunikation und Marketing, als auch einige Jahre freiberuflich im pädagogischen Bereich als Honorarkraft gearbeitet – und damit viele Einblicke in Organisationen gewonnen. Das freie, selbstbestimmte und -organisierte Arbeiten war ich gewohnt. Mich dauerhaft in die „Abhängigkeit“ eines Arbeitgebers zu begeben, kam für mich nicht in Betracht: Meine Ansätze z. B. aus den Bereichen Ökologie, Arbeitsorganisation und Kommunikation wollte ich in mein eigenes Unternehmen einbringen. Ich wollte etwas Neues ausprobieren.

Meine damaligen Chefs begegneten in Gesprächen meiner Idee, einen eigenen Träger zu gründen, sehr aufgeschlossen. Sie ermutigten mich, meine Pläne umzusetzen.

Im Frühjahr 2008 kontaktierte ich die zuständige Behörde und bekam eine Flut von Unterlagen zum Lesen und Bearbeiten. Ich musste für jede Leistungsart eine eigene Konzeption schreiben, Leistungsvereinbarungen ausarbeiten, mit der Behörde abstimmen und am Ende sollten dann die Entgeltverhandlungen stehen.

Voller Tatendrang machte ich mich ans Werk und tippte auf meinem ersten iMac, der mich schon durch die Unizeit begleitet hatte, was die Finger hergaben. Fachliteratur und im Studium frisch Gelerntes ließ ich in meine Konzeption einfließen, von der ich pädagogisch überzeugt war. So eine Konzeption ist die Eintrittskarte in die Welt als freier Jugendhilfeträger.

Dann tauchten die ersten Barrikaden auf, an denen ich fast gescheitert wäre. Ich war ganz zufrieden mit dem, was ich auf mehreren Seiten zu Papier gebracht hatte – die in der Behörde zuständige Person leider nicht. Nach vielen Runden, in denen meine Konzeption immer noch nicht „abgesegnet“ worden war, machte ich mich auf in die Amtsstube.

Hier diskutierten wir engagiert. An einem Punkt hörte ich mich sagen: „Also, wenn Sie wollen, dass ich das so reinschreibe, kann ich das machen. Aber ganz ehrlich: Ich bin nicht davon überzeugt, dass das der richtige pädagogische Ansatz ist.“

Blitzartig schoss mir in den Kopf: „War es das jetzt? War die ganze Arbeit umsonst und ich scheitere schon heute, bevor ich loslegen kann?“

Mein Gegenüber sah mich etwas erstaunt an und sagte nach einer kurzen Pause sinngemäß: „Naja, Sie müssen das so nicht schreiben, wenn Sie nicht wollen. Das ist ja nur eine Empfehlung.“

Das Gespräch dauerte nicht mehr lange. Einige redaktionelle Änderungen wurden eingefügt und die erste Hürde war genommen.

Im Vergleich dazu ließen sich die Leistungsvereinbarungen, nicht zuletzt durch die Unterstützung der Trägerberatung, unkompliziert aushandeln. Als ich am 5. September 2008 endlich die Unterschrift unter dieses wichtige Dokument bekam, konnte ich es kaum fassen. Ich verließ die Behörde, genoss die Wärme der Sonne und ging Richtung U-Bahn. Mitten auf der Brücke hielt ich inne, durchwühlte meinen Rucksack, holte das soeben unterzeichnete Papier heraus, schaute es nochmal an und jubelte innerlich: Ja! adelante gibt es ab jetzt wirklich!