Ausgestaltung der Intensiven Sozialpädagogischen Einzelbetreuung

Wie kann die Verselbstständigung von jungen Menschen in der Jugendhilfe gelingen? Die Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung (ISE) nach §35 SGB VIII bietet den Rahmen für die Verselbstständigung von jungen Menschen zwischen 16 und 21 Jahren im trägereigenen Wohnraum.
Unsere Betreuungsstandorte haben jeweils 2 Plätze dafür. In diesem kleinen Rahmen bekommen die Jugendlichen Unterstützung, um schließlich in eine eigene Wohnung umzuziehen und ihr Leben eigenständig und selbstbestimmt zu gestalten.
Die Verselbstständigung ist eine komplexe Lebensaufgabe. Wir haben uns in den letzten Monaten im Team der pädagogischen Mitarbeitenden damit beschäftigt, wie wir in den Betreuungen eine hohe und gleichbleibende Qualität bieten können. Es ist unser Anspruch, die jungen Menschen gut auf das Leben vorzubereiten und dabei sowohl die administrativen Aufgaben als auch die sozio-emotionale Stabilität im Blick zu halten.
So haben wir uns zunächst darüber ausgetauscht, welche Themenbereiche in der Hilfe nach §35 SGB VIII wichtig sind. Wir haben die Themen konkretisiert und ausgearbeitet. Welche Entwicklungen sind notwendig, was sollten die jungen Menschen lernen und sich erarbeiten? Das sind beispielsweise Themen wie die Haushaltsführung, Freizeitgestaltung, Beziehungen aufrechterhalten, Ausbildung usw.
Danach haben wir einerseits den Abgleich mit unserer Konzeption zu der ISE im trägereigenen Wohnraum gemacht, andererseits mit der Leistungsvereinbarung, die wir mit der Sozialbehörde abgeschlossen haben. Die Themenbereiche aus beiden schriftlichen und eher theoretischen Dokumenten konnten wir mit unserer langjährigen Praxiserfahrung konkretisieren. So hatten wir ein gutes Gesamtbild über die Inhalte und großen Komplexe der Hilfe nach §35 SGB VIII und der Verselbstständigung. Dabei stellten wir fest, dass beispielsweise einer der essentiellen Bereiche der Verselbstständigung, die Finanzen, in der Leistungsvereinbarung nicht explizit aufgeführt sind.
Nun stellte sich uns die Frage, wie wir die gewonnenen Erkenntnisse nachhaltig in unsere Betreuungsarbeit einbeziehen können. Wie können wir eine hohe und gleichbleibende Qualität erreichen und halten mit und trotz unserer Unterschiedlichkeit bei den pädagogischen Mitarbeitenden und den unterschiedlichen Handlungsansätzen?
Die Antwort darauf lautet: Partizipation. Wir beziehen die jungen Menschen ein, indem sie selbst einschätzen, wie selbstständig sie sind.
Wir entwickelten einen Einschätzungsbogen, der alle Themenbereiche umfasst. Mittels einfacher Fragen können die Jugendlichen ihren eigenen Entwicklungsstand einschätzen. Ebenso können die Betreuenden eine Einschätzung abgeben. Um einen Entwicklungsverlauf abbilden zu können, wird dieser Bogen mehrfach im Laufe der Betreuung beantwortet. Schaubilder zeigen sodann den Entwicklungsverlauf. So werden die Themen sichtbar, bei denen noch Unsicherheiten bestehen und noch Lernfelder offen sind und auch die Themen, bei denen sich die Jugendlichen schon sicher und eigenständig fühlen.
Dieser Bogen ist in der Hilfeplanung nützlich, um wichtige Themen zu identifizieren und weiter zu bearbeiten.
Wir sind zufrieden mit diesem Prozess. Uns ist es wichtig, die jungen Menschen, die wir begleiten dürfen, gut auf ihre Eigenständigkeit vorzubereiten. Wir glauben, dass wir dies so gewährleisten können.